Vom Suchen und Finden

Gespeichert von Anne am Mo., 27.04.2020 - 17:39

Auch in den Zeiten der Einschränkungen durch unsere kompetenten Gesetzgeber und einen mehr oder weniger erforschten Virusbestandteil, gerade in diesen, genießt man den Diskurs mit Menschen, die einem nahestehen.

So verbrachte ich einen der ersten warmen Apriltage mit meiner besten Freundin auf ihrem frisch bepflanzten und gepflegten Balkon. Inmitten von frischem Blumenduft und warmen Sonnenstrahlen lässt es sich besonders gut reden.

Wir erörterten unter anderem die Unterschiede zwischen uns, die uns nicht nur einige Male einander näher gebracht haben.

Dabei kam uns eine Erkenntnis, die uns gleichzeitig erstaunt wie belustigt, fasziniert wie begeistert hat, und welche vielleicht in ferner Zukunft ein Buch oder einen Podcast hervorbringen wird.

Menschen als sehr komplexe Einheit von Physis und Psyche, Gedanken und Gefühlen, positiven wie negativen Polen, wurden schon so mancher Unterteilung ausgesetzt, beginnend bei Mann und Frau, über extrovertiert oder introvertiert sowie in weitere zahlreiche Schubladen und Dudendefinitionen.

Was zum Teil hilfreich, zum Teil behindernd, wenn nicht sogar gefährdend auf einzelne Gemüter wie auch die gesamte Menschheit wirkt, fiel uns in diesem Moment aus dem Nichts in den Schoß.

Der Mensch als Sucher ... oder als Finder.

Einfach aufgetaucht durch Fragen des alltäglichen Lebens.

Meine beste Freundin, die ihrem Herzen folgt, wenn sie merkt, dass ihr etwas fehlt. Sie sucht das, was ihr zum Wohlbefinden fehlt, und wo, mit wem oder was sie diesen Zustand erreicht, das gesucht sie aktiv zu finden. Dafür löst sie sich auch gerne einmal von allem bekannten los und bricht auf in völlig neue Gefielde. Doch wenn sie einmal diese Anker gefunden hat, lässt sie sie nicht mehr los, und solange sie dabei sind, werden weiterhin unbekannte Orte, Beziehungen wie Tätigkeiten unter die Lupe genommen, auf der Suche nach ... ja, es sind wohl einfach die Dinge, die sie glücklich machen.

Ein Sucher.

Und dann gibt es da noch mich. Jemand, der Dinge gerne mit sich selbst klärt, passiv ist, seine Mechanismen zum Wohlbefinden hat und der eher zurückhaltend auf der Suche nach dem Glück ist, vorsichtig, das zu benennen, was er braucht. Der eher mit jeder Veränderung, mit jeder Reaktion die Situation neu bewertet und dann die Initiative ergreift, wenn ihm etwas über den Weg läuft und man merkt, dass es genau das ist, was man eigentlich braucht, um sein Glück zu finden. So begegnete ich dem Menschen, der mein Leben vervollständigt hat, und ich bemerkte es. So kamen die Ausgangsbeschränkungen durch Corona mit wenigen Ausnahmen wie Sport ... und das Joggen wurde mir wortwörtlich wieder vor die Beine geworfen..

Ein Finder.

Ein faszinierendes Gedankenexperiment, was als solches erst ersichtlich wurde, als es sich auf dem Präsentiertteller darbot. Ja, das war etwas für mich als Finder.

Doch darin besteht kein Problem für eine kleine wie große Gemeinschaft aus Suchern und Findern.

Denn gemeinsam entdecken sie neue Welten und neue Zivilisationen (nur ohne Raumschiff im übertragenen Sinne).

Wo der Sucher dem Findern interessante Orte aufzeigt, an denen er wahrscheinlich etwas für sich finden kann, macht ein Finder gerne dem Sucher die Dinge begreiflich, die er eigentlich finden möchte.

Ihr denkt, hier haben wir die ersten Auswirkungen des Corona-Wahnsinns?

Vielleicht.

Aaber unsere erste Portion Eis haben wir gemeinsam auf jeden Fall gesucht und gefunden.

Und vor langer Zeit auch eine alles überdauernde Freundschaft.

Danke! @L

Kommentare

Sehr schöner Artikel.
Zwar versuche ich (oft vergeblich) nicht immer alles und jeden in Schubladen zu stecken - doch irgendwo las ich, daß man uns in Mitläufer und Wegfinder einteilen kann. Die Suchenden sind dabei (noch) in beiden Gruppen anzutreffen, Findende nur in der zweiten (& Schlafschafe nur in der ersten).

Nun musste ich an einen längst vergangenen Film denken: "Vom Suchen und Finden der Liebe" (2005). Dort stieß ich damals auf den gedichtartigen Text "Wohin geht die Liebe?": Questions & Answers 2.0.